Chinook Jargon, heute auch Chinuk Wawa genannt und von manchen Quellen auch nur „Chinook“, „der Jargon“, „Wawa“, „Lelang“ (die Sprache), „die alte Handelssprache“, „die Oregon-Handelssprache“ oder sogar „Hudson-Bay-Sprache“, ist eine historische Pidgin-Kreolsprache. Sie fand im frühen bis mittleren 19. Jahrhundert weite Verbreitung im nordwestlichen US-amerikanischen Pazifikküstenraum, in verschiedenen Gegenden der heutigen Bundesstaaten Oregon und Washington und darüber hinaus entlang des Columbia River bis weit auf die kanadische Seite in British Columbia und entlang der Küste bis ins südliche Alaska.
Nach Meinung vieler Hobby-Sprachenlerner und professioneller Linguisten gehört Chinook Jargon zu den am leichtesten erlernbaren Sprachen, möglicherweise noch leichter als Esperanto und andere. Es gibt glaubhafte Berichte aus dem 19. Jhdt., die besagen, dass manche Trapper, Cowboys und Goldsucher diese Sprache in Grundzügen in etwa 30 bis 60 Minuten am Lagerfeuer gelernt haben und sie immer dann nutzten, wenn sie sich mit indigenen Personen („Indianern“) verständigen wollten. Im Laufe der Zeit beherrschten Personen aus allen Gesellschaftsschichten Chinook Jargon, von völlig verarmten Goldgräbern, Minenarbeitern und Matrosen bis zu namhaften Missionaren, Bischöfen, Richtern, Generälen und Politikern. Mehrere US-Präsidenten sprachen noch fließend Chinook Jargon.
In dieser Sprache existieren z. B. viele Zeitungsartikel, Gedichte, Lieder, Lebenserinnerungen, Volkserzählungen und Märchen der Chinook, sogar Werbeanzeigen und zahlreiche persönliche Briefe sowie Gebetbücher und mindestens ein größeres Bibelfragment. Als stark vereinfachte Sprache für die schnelle mündliche Kommunikation zwischen Menschen aus verschiedenen kulturellen und ethnischen Gruppen weist diese Sprache Wörter aus bestimmten Dialekten des Tschinukischen (Teil der Wasco-Wishram-Sprachgruppe), Nootka (bzw. Nuu-chah-nulth), Haida, Küsten-Salisch (v. a. Lower Chehalis) und weiteren indigenen amerikanischen Sprachen auf. Dabei bildet das Chinook den Grundstock des Vokabulars. Dazu mischten sich zahlreiche von europäischen Siedlern mitgebrachte englische und französische Wörter. Das Resultat ist äußerst faszinierend, überraschend und manchmal sogar amüsant. Damit genießt der Chinook Jargon selbst unter den Pidginsprachen einen einzigartigen Sonderstatus.
Ich habe diese Sprache jahrelang von Autoritäten wie Dr. David Douglas Robertson, Dale McCreery, Alex Code, Jay Powell und sogar dem legendären Duane Pasco (1932 – 2024) gelernt. Vermutlich bin ich im Moment in ganz Mitteleuropa der Einzige, der diese Sprache einigermaßen fließend spricht und darin beispielsweise E-Mails schreiben könnte. Das sollte aber nicht so bleiben! Und deshalb gibt es eben auf der Con diesen Workshop. Gedacht ist er für allgemein Sprachbegeisterte, für aufgeschlossene und kommunikative Menschen, am interkulturellen Dialog Interessierte, im weitesten Sinne Wildwest-Fans, Live-Rollenspieler oder Spielleiter, die möglicherweise auf der Suche nach einer interessanten neuen Geheimsprache für ihre Spielwelten sind.
Nach diesem Workshop werdet ihr, so hoffe ich, einen gewissen (vielleicht noch rudimentären) Grundwortschatz im Chinook Jargon haben und einfache alltägliche Sätze darin bilden können, z. B. „Wer bist du?“, „Wo wohnst du?“, „Hast du Hunger?“, „Hast du mein Pferd gesehen?“, „Wir sind Freunde“ oder auch „Verschwindet!“ Und ich verspreche euch eines: Es ist absolut kein romantisierender Winnetou-Müll, im Sinne von „Mein weißer Bruder…“ oder „Hugh, ich habe gesprochen“ – aber ich könnte euch beibringen, was das jeweils auf Chinook Jargon heißen würde.